Starker Austausch – Erfolgreicher Wirtschaftsempfang der Gemeinde Niederwinkling
„Ziemlich dynamisches Pflaster mit Industriepower“
Über 120 Gäste aus Wirtschaft und kommunalen Einrichtungen folgten am 10. Februar 2026 der Einladung der Gemeinde in das vollbesetzte Begegnungszentrum. Nach einem ersten Austausch eröffnete Erster Bürgermeister Ludwig Waas den Abend und begrüßte Dr. Jutta Krogull, Michaela Schub‑Höglmeier sowie stellvertretend für die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer aus Wirtschaft, Handel, Handwerk und Dienstleistung den Ehrenbürger der Gemeinde, Jürgen Wallstabe, der im vergangenen Jahr für sein Wirken zum Wohle Niederwinklings die Ehrenbürgerwürde erhielt.
Waas betonte die Bedeutung des Wirtschaftsempfangs und dankte den Unternehmen für ihre Unterstützung und ihr gesellschaftliches Engagement. Die örtliche Wirtschaft sei eine zentrale Grundlage für die positive Entwicklung Niederwinklings. Die Unternehmen leisteten einen wesentlichen Beitrag zu Zukunftsperspektiven und stärkten das gesellschaftliche Zusammenleben in gegenseitigem Vertrauen. Besonders hob er das dem Gemeinwohl dienende und soziale Engagement der Betriebe hervor. Politische Themen blieben bewusst außen vor – im Mittelpunkt standen Austausch, Vernetzung und ein offenes Ohr für die Anliegen der Unternehmerinnen und Unternehmer. Der Bürgermeister bezeichnete den Empfang daher als „Familientreffen auf Augenhöhe“.
Im Rückblick hob Waas die abgeschlossenen Straßen‑, Breitband‑ und Nahwärmemaßnahmen hervor und dankte für die Geduld während der Bauphasen. Sicherheit, moderne Infrastruktur und eine leistungsfähige Digitalisierung blieben zentrale Zukunftsaufgaben. Der Haushalt 2026 mit einem Gesamtvolumen von 32 Millionen Euro setze klare Schwerpunkte: die Fertigstellung von Nahwärme und Breitband, umfassende Straßensanierungen, die Erschließung neuer Bau‑ und Gewerbegebiete sowie die Planung des Rettungs‑ und Donau‑Erlebniszentrums. Weitere Maßnahmen betreffen den Hochwasserschutz und den Ausbau des Wohnraums.
Als Zeichen der Standortstärke nannte Waas die Ansiedlungen von Ecokraft und Kaiser Mechatronik sowie die geplante Erweiterung der Firma Streicher. Zudem lobte er das Engagement der vhs‑Außenstellenleiterin. Sein Fazit: Die Gemeinde stehe allen offen, die aktiv an der Zukunft Niederwinklings mitwirken möchten. Sein Appell lautete: „Tür und Tor der Gemeinde sind offen für alle – wir sind sehr dankbar, unsere Heimat gemeinsam mit Ihnen gestalten zu dürfen.“
Dr. Jutta Krogull eröffnete ihren Vortrag mit einer klaren Standortbestimmung und einem Bogen zu Niederwinkling: Sie sei „sehr gerne“ zum Wirtschaftsempfang gekommen – in eine Gemeinde, die von der KI als „ziemlich dynamisches Pflaster mit Industriepower“ beschrieben werde; ein Befund, der gut zum Selbstverständnis der Region und zum Leitmotiv „Starke Menschen – starke Strukturen – Niederbayern ist der Standort für mutige Ideen“ passe.
Mit Blick auf die Konjunktur zeichnete Krogull ein realistisches Bild: Nach schwierigen Jahren gebe es für 2026 zwar verhalten positive Signale, dennoch mahnte sie, dass es der Wirtschaft insgesamt weiterhin nicht gut gehe. Ein tragfähiger Aufschwung brauche mehr als Kalendereffekte und staatliche Sonderausgaben; „echtes Wachstum sieht anders aus“. Die starke Industrieprägung Bayerns sei zugleich Stärke und Verwundbarkeit: „Wir befinden uns an einem Kipppunkt in Richtung De‑Industrialisierung.“
Im Zentrum ihrer Analyse stand die Wettbewerbsfähigkeit. Eine aktuelle vbw‑Studie zeige Bayern zwar weiterhin im internationalen Spitzenfeld, jedoch mit spürbaren Attraktivitätsverlusten. Hauptgründe seien hohe Energie‑ und Arbeitskosten, hohe Steuern und Abgaben sowie starke bürokratische Belastungen – Faktoren, die zunehmend auf die industrielle Basis durchschlagen.
Krogull verwies zudem auf globale Rahmenbedingungen. Die bayerische Wirtschaft sei stark export‑ und importorientiert und brauche offene Märkte sowie freien Handel. Entwicklungen in den USA und China – von Zolldynamiken bis zu protektionistischen Tendenzen – seien entscheidende Standortfaktoren.
Mit Blick auf Bundes‑ und Europapolitik würdigte sie positive Impulse, etwa bei Investitionen, Forschungsförderung und Energiepreisdämpfung. Zugleich forderte sie deutliche Entlastungen sowie mehr Tempo bei Reformen: Bürokratieabbau, verlässlich wettbewerbsfähige Energiekosten und Reformen der Sozialsysteme, um Arbeitskosten zu stabilisieren. Besonders wichtig sei die Vermeidung neuer bürokratischer Vorgaben, damit Unternehmen sich auf Innovation und Wertschöpfung konzentrieren könnten.
Sie betonte zudem die Schlüsselrolle der Kommunen: Wirtschaftspolitik finde nicht nur in Berlin oder Brüssel statt, sondern ganz wesentlich vor Ort. Ohne eine starke lokale Wirtschaft gebe es weniger Arbeitsplätze, geringere Einnahmen und schlechtere Perspektiven für die Menschen. Daher brauche es leistungsfähige Infrastruktur in Energie, Digitalisierung, Mobilität, Bildung und Betreuung. Niederbayern verfüge hier über Stärken, die weiter ausgebaut werden sollten – in enger Abstimmung mit den Unternehmen.
Trotz aller Herausforderungen schloss Krogull mit einer optimistischen Botschaft: „Wir (vbw) sind überzeugt, dass es wieder bergauf gehen wird. Wir können Transformation, wir können Krisenmodus, wir können Comeback.“ Gerade Niederbayern – und beispielhaft Niederwinkling – zeige täglich, „wie harte, fleißige, ehrliche Arbeit aussieht“ und wie man durch Zusammenhalt auch schwierige Phasen meistert.
Im Anschluss trug sich Dr. Jutta Krogull in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Bürgermeister Waas dankte allen Mitwirkenden und Gästen für einen gelungenen Abend – und für die vielen persönlichen Gespräche, die den Wirtschaftsempfang zu dem machen, was er sein soll: ein starkes Netzwerkforum für Niederwinkling.

(v.l.n.r.) Christian Pfeffer (Vorstand KU Niederwinkling), Ludwig Waas (1. Bürgermeister), Michaela Schub-Höglmeier (vbw und FW-Kreistagskandidatin), Dr. Jutta Krogull (Verband der Bayerischen Wirtschaft), Gerhard Stadler (Gemeinderat), Dominik Langner (2. Bürgermeister)
Foto: Norbert Neuhofer